Verfolgungsjagd des Stratosphärenballons DN4GB-11

26/02/2015 Gelsenkirchen

Panorama

Originalaufnahme der Sonde

26.02.2015 – Studenten der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen schicken erfolgreich einen ersten Wetterballon mit diverser Mess- und Funktechnik auf die weite Reise in unsere Stratosphäre.

Bei leicht bewölktem Himmel konnte nach Freigabe der DFS (Deutschen Flugsicherung) der Ballon mit dem Rufzeichen DN4GB-11 samt Fallschirm und Nutzlast um 10:00 Uhr MEZ auf einer Wiese vor dem Hochschulgebäude in Gelsenkirchen gestartet werden.

Dieser Ballonstart diente grundsätzlich als Vorbereitung für den Start eines zweiten größeren Wetterballons mit noch mehr Mess- und Übertragungstechnik an Bord. Jedoch war auch schon dieser Flug ein voller Erfolg. An Bord der 709 g schweren Sonde befand sich neben einem GPS gestütztem Mess- und Funksystem eine hochauflösende Kamera, welche den Flug bis zu einer Höhe von ca. 34313 m in HD Qualität dokumentierte. Es entstanden beeindruckende Bilder unseres blauen Planeten.

Start

Start des Ballons

Vorbereitung zum Start

Das Projektteam traf sich bereits am frühen Donnerstagmorgen um 7:30 Uhr an der W-HS in Gelsenkirchen. Der Wetterbericht hatte Recht behalten. Die Sonne schien und es waren nur wenige weiße „Schäfchenwolken“ unterwegs. Im Vorfeld wurde ein Ablaufplan erstellt, welcher an diesem Tag zu tragen kam. Somit war die Koordination des Gesamtprojektes gut zu meistern.

Parallel zum Aufbau des Startplatzes für den Ballon und der Bodenkontrollstation, wurde das „Jäger-Auto“ mit einer Vielzahl von Funktechnik ausgerüstet. Dazu gehörte unteranderem ein umgebauter Laptop als TNC zum Direktempfang der APRS-Datenparkete (Automatic Packet Reporting System) der Sonde, sowie eine UMTS – Mobilfunk-Verbindung für die Internetverfolgung über die Webseite http://www.aprs.fi. Herr Prof. Dr. Jorczyk hielt zur weiteren Unterstützung des Jägerteams über ein Amateurfunkgerät ständigen Kontakt zum Verfolgerauto, welches u.a. mit dem Mitarbeiter mit dem Rufzeichen DC7OG-8 unterwegs war.

Der Start

Nachdem die Befüllung des Wetterballons mit ca.2200 Liter Helium abgeschlossen war, konnte der Fallschirm und die Nutzlast angebunden werden. Im Vorfeld wurden alle Systeme innerhalb der Sonde eingeschaltet und auf Ihre Funktion hin überprüft. Somit stand einer erfolgreichen Mission nichts mehr im Wege. Der Start erfolgte um 10:12 Uhr MEZ neben dem neuen Hochschulgebäude in Gelsenkirchen.

Die Verfolgung

Der Ballon flog samt Nutzlast zunächst Richtung Norden bis auf eine Höhe von ca. 2235 m und änderte dann seine Flugroute Richtung Süden. Das Verfolger Team bestehend aus vier Personen setzt sich nach Abbruch der Sichtverbindung zum Ballon in Bewegung auf die Autobahn Richtung Sauerland.

Jager Auto

Verfolger-Team

An Bord des Verfolgerautos konnte zu jedem Zeitpunkt die genaue Position des Wetterballons bestimmt werden. Dazu standen folgende Systeme zur Verfügung:

  • Direktverbindung über UI-View32, welches auf einem umgebauten Laptop installiert wurde und die Soundkarte als Modem nutzte. Als Funkgerät wurde ein einfaches Handfunkgerät Baofeng UV-5R verwendet. Als Antenne diente eine Fuchsantenne für den mobilen Einsatz.

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UI-View32

  • Nutzung des APRS Netzes. Digipeater und I-Gates sind Amateurfunkstationen, die die empfangenden Datenpakete weiterleiten und ins Internet einspeisen. So gelangen diese Daten auf die APRS-Server und der Ballon kann live im Internet in der ganzen Welt verfolgt werden.

3D Flug

3D-Flugroute

  • Nutzung eines GSM-Tracker. Die Position des Landepunktes wird automatisch über eine SMS an ein entsprechendes Mobiltelefon Versand.

Der Ballon flog weiter Richtung Solingen, wo er dann eine Kehrtwendung Richtung Osten machte. Das Verfolgerteam wartete zu diesem Zeitpunkt an einem Autobahnrastplatz an der A45 kurz hinter dem Autobahnkreuz Hagen. Als der Ballon die A45 bei Lüdenscheid überflog, setzte sich das Jäger-Team über die Bundestraße 229 Richtung Plettenberg in Bewegung. Während dessen stieg der Ballon immer noch weiter. Die 30000 m Marke wurde durchbrochen. Erst bei ca. 34400 m Höhe, südlich von Werdohl, zerplatze der Ballon. Es begann nun eine rasanter Abstieg für die Sonde. Nördlich von Plettenberg änderte die Sonde wieder Ihre Richtung und steuerte nun auf Attendorn zu. Als die Sonde die Biggetalsperre überquerte, erfolge nochmals eine Kursänderung, wieder Richtung Norden. Dann ging alles recht schnell. Die Sonde landete im Negertal nahe der Bigge.

Biggetal

Biggetalsperre

Landeplatz

« Fund der Sonde in einer 25 m hohen Fichte östlich der Biggetalsperre (Sauerland) »

Um ca. 13:15 Uhr wurde mittels der immer noch sendenden APRS Nutzlast das Waldstück ermittelt, in dem sich die Sonde befand. Trotz genauer GPS Daten, war die Sonde auf Grund dichter Baumkronen nicht sofort zu erkennen. Zur genauen Lokalisierung half der eingebaute Summer, welcher in bestimmten Intervallen einen „Piepston“ von sich gab. Somit wurde die Sonde gefunden. Der Fallschirm musste den Abstieg der Sonde wie geplant gebremst haben. Es waren keinerlei Schäden zu erkennen. Sogar der Ausleger für das Logo war unbeschadet.

Sonde im Baum

Sonde im Baum

Dem Jägerteam wurde schnell klar, dass die Sonde unerreichbar war. Auch eine mitgeführte 10 m lange Teleskopstange reichte nicht aus, um die Sonde zu bergen.

„ Das hab ich in meiner 42 Jährigen Laufbahn als Jäger auch noch nicht gehabt, WOLL“

Zufällig fuhr ein ortsansässiger Jäger am Waldesrand vorbei und wunderte sich über die „seltsamen Gestalten“ in seinem Revier. Der Bergungstrupp erläuterte dem Jäger das Problem. Nach kurzer Überlegung wurde eine passende Lösung gefunden und die Sonde konnte beinahe unversehrt aus der 25 m hohen Fichte geborgen werden.

« Sonde übersteht auch freien Fall aus 20 m Höhe »

Es waren nur leichte Schrammen an der Nutzlast zu vermerken. Immerhin ist die Sonde aus 20 m Höhe ungebremst auf den Waldboden gefallen. Nach kurzer Stärkung in einer „Sauerland-Lokalität “ ging es über die A45 Richtung Heimat. Am gleichen Abend wurde noch das faszinierende Bildmaterial im IC-Labor Gelsenkirchen gesichtet. In diesem Augenblick ist allen Beteiligten klar geworden, dass die erste Mission ein voller Erfolg war! Nach einer genaueren Auswertung der gesammelten Daten ist mit dieser Mission eine fundierte Basis an Wissen und Technik für weitere Ballonmissionen vorhanden.

An dieser Stelle möchten wir uns nochmals bei allen Beteiligten recht herzlich bedanken. Ein besonderer Dank gilt auch dem Jäger. Ohne ihn wäre die Bergung der Sonde nicht möglich gewesen. Für die finanzielle Unterstützung bedanken wir uns bei unseren Sponsoren Gawado, sowie der Firma GPG Gase-Partner GmbH.

Weitere Artikel und Hintergrundinformationen zu dieser und anderer Missionen finden Sie auf unserer Homepage www.mikroelektronik.w-hs.de

Das Verfolger-Team:

Clemmensen, Sebastian

Gießelmann, Oliver

Krome, Tim

Paus, Bastian

 

Bastian Paus 2015